Let's Play Rising Tide! Zu Gast bei 2K Deutschland


Sep 9, 2015

Christian Weigel und Writing Bull

Üblicherweise bekommen neugierige Journalisten und YouTuber ein fertiges Firaxis-Spiel rund vier Wochen vor Erscheinen als Vorschau-Version zum Ausprobieren ausgehändigt. Für uns beide – Spielejournalist Christian Weigel und YouTuber Writing Bull - wurde eine große Ausnahme von dieser Tradition gemacht: Wir durften Rising Tide, das Addon zu Civilization: Beyond Earth, bereits zwei Monate vor Release spielen und sogar eine Let's-Play-Reihe dazu aufnehmen. Herzlichen Dank hierfür an die Crew des Publishers 2K Games in München, die uns nicht nur mit dem Spiel selbst versorgte, sondern uns auch einen Rechner dazu aufbaute, einen nie versiegenden Strom aus leckerem Milchkaffee organisierte und uns in Gestalt des unverwüstlichen und stets gut gelaunten Carlo Volz einen kompetenten Ansprechpartner und Betreuer zur Seite stellte.

Nicht minder beeindruckt waren wir aber tatsächlich vom Umfang des Addons. Rising Tide füllt das Grundspiel mit einer imposanten Menge an neuen Inhalten. Dinge wie neue Monster, neue Quests, neue Gebäude und neue Landschaftstypen sind nur die oberflächlichsten, schnell "dazugerührten" neuen Aspekte im Beyond-Earth-Kuchen. Dazu kommen all die umgekrempelten Spielsysteme wie die schwimmenden Siedlungen, die Hybrid-Affinitäten und, allen voran, das neue Diplomatiesystem.

Zugegeben, wir waren beeindruckt - aber nicht überrascht, da die Erweiterungen zu Firaxis-Spielen seit Jahren dafür stehen, das jeweilige Hauptspiel mit tonnenweise neuem Material anzureichern. Brave New World für Civilization 5 oder Enemy Within für XCOM: Enemy Unknown sind nur zwei Beispiele dafür.

Als wir vor mehreren Monaten das erste Interview mit den beiden Lead Designern Will Miller und Dave McDonough führten, wurde uns das Gründen von Städten auf dem Wasser als DAS neue Spielelement angepriesen, das Rising Tide komplett verändern sollte. Tatsächlich fühlt sich die aquatische Besiedelung wie ein organischer, schon immer dagewesener Teil des Spiels an. Der heimliche Star, das wirklich Herausragende ist allerdings das neue Diplomatiesystem, das von den Entwicklern bescheiden bloß unter der Kategorie "ja, das gibt es auch" erwähnt wurde.

Plötzlich sind das diplomatische Zusammenspiel, das Abschließen von nützlichen Übereinkommen und das Geschachere um politisches Kapital ein spaßiges Spiel im Spiel in Civilization. Vergangen sind die Tage, in denen wir mit Kontrahenten und Verbündeten nur Krieg, Frieden oder offene Grenzen aushandeln konnten. Dazu kommt, dass wir mit dem Eigenschaften-System, sogar die Persönlichkeit unserer eigenen Anführer bestimmen können. Wir können uns als imperialistische Kriegstreiber outen oder innenpolitisch auf Gesundheitsboni und mehr Handelsrouten setzen - unsere Rivalen reagieren jetzt auf unsere Einstellung. Andere Säbelrassler-Fraktionen gratulieren uns dann zum Beispiel zu unserem großen Militär, während friedliche Zeitgenossen vielleicht von unserer hohen Nahrungsproduktion schwärmen.

Schmeichelhaft für uns Deutsche ist natürlich, dass gerade die neue, sympathische Fraktion INTEGR, die umweltpolitisch und diplomatisch nachhaltig wirtschaften möchte, von einer Deutschen angeführt wird. In Civilization 5 wurden wir Deutsche noch vom „Eisernen Kanzler“ Bismarck repräsentiert, von Landsknechten und Tiger-Panzern. Die Super-Diplomatin Lena Ebner ist mit ihrer Spezialfähigkeit "Kategorischer Imperativ" keine Kriegstreiberin, sondern eine Friedensbotschafterin - sehr wohltuend.

Lena Ebner verdankt ihren Vornamen der Produzentin des Grundspiels Civilization: Beyond Earth, der deutschen Lena Brenk. Leider sieht sie der echten Lena, deren Stimme Writing-Bull-Zuschauer aus etlichen Livestreams und Interviews kennen, kein bisschen ähnlich – schade! Gemeinsam haben die beiden Lenas allerdings ihr Sprachtalent: Während Lena Ebner angeblich acht Sprachen beherrscht, war Lena Brenk in der Civilization-Reihe unter anderem dafür verantwortlich, exotische Anführer wie Attila, Montezuma oder Kamehameha mit passenden Sprechern authentisch zu vertonen.

In unserem Preview-Let's-Play zum Addon, das mittlerweile auf Writing Bulls YouTube-Kanal läuft, glauben wir übrigens ein Easteregg der Entwickler endeckt zu haben: unsere Startposition im Spiel. Zu Beginn der ersten Runde hatten wir mit unserem Kolonieschiff nur die Möglichkeit, auf einem kargen Felsen inmitten des Ozeans zu landen und damit die Tradition der Hügelparker fortzusetzen. „Hügelparker“: das ist die inoffizielle Identität der deutschen Civilization-Spieler. Der Begriff entstand aus einem geflügelten Wort in einem Let's Play zu Beyond Earth im Herbst 2014. Der erhöhte Verteidigungsbonus für Einheiten in welligem Gelände passte gut zu unserem Spielstil und motivierte auch eine Menge Menschen, sich in Videos, Fotos und Songs kreativ als Hügelparker zu outen. Wir pflegen jetzt die Verschwörungstheorie, dass Firaxis unseren Preview-Build des Spiels manipuliert hat, um uns eine ultimative Hügelparker-Position aufzunötigen. Der Drahtzieher der Aktion? Wir tippen auf den raffinierten Pete Murray, der sich selbst schon mehrfach als „Ebenenflitzer“ geoutet hat ...

Zusammen mit der deutschen Community freuen wir uns jedenfalls wie wild auf das Addon, das durch die vielen neuen Elemente das Grundspiel enorm aufwerten wird! Die Wartezeit verbringen wir mit dem Beyond Earth Cup, einem Multiplayer-Turnier, das Writing Bulls Community-Forum in Kooperation mit 2K Deutschland veranstaltet. Der Herbst kann kommen - wenn es draußen regnet und stürmt, schließen wir Fenster und Türen, ziehen die Vorhänge zu, schalten den Computer ein – und kolonisieren neue Planeten. Wo? Beyond Earth.



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